Leitartikel

Medizin 4.0: Auf das Tempo kommt es an

Von Nadine Effert · 2017

Jemand legt einen Finger auf ein projiziertes Bild
Die Digitalisierung schreitet auch in deutschen Krankenhäusern voran.

Wir werden immer älter. Die Kehrseite der Medaille: Der demografische Wandel führt zu einem steigenden Bedarf an effektiver Prävention, verbesserter Diagnostik und neuen Therapien. Gerade rund ums Herz beweist die Medizintechnik ihr Können und leistet Erstaunliches. Nachholbedarf gibt es in Sachen Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft.

Wer hätte gedacht, dass heute dank Kathetertechnik kaum noch Operationen am offenen Herzen durchgeführt werden müssen. Dass es selbstauflösende Stents und implantierbare Defibrillatoren gibt. Dass es möglich sein wird, selbst Herzkranzgefäße, die Durchmesser von weniger als 3,5 Millimetern haben, in Sekundenschnelle und hochauflösend mittels Computertomograph darzustellen. Oder, dass moderne Herzschrittmacher auf die Größe eines Fingernagels schrumpfen und in der Lage sind, Herzdaten automatisch an den behandelnden Arzt zu senden. Es gibt unzählige Meilensteine der Medizintechnik – nicht nur in der Kardiologie –, die heute Menschen retten, die vor wenigen Jahren dem Tod geweiht waren oder ihnen bei chronischer Krankheit zu mehr Lebensqualität verhelfen. 

Technik, die nicht nur Ärzte begeistert 

Und was erwartet uns in der Zukunft? Roboter, die defekte Herzklappen austauschen? Apps, die Alarm schlagen, wenn ein Herzinfarkt droht? Oder eine neue Pumpe aus dem Drucker? Zumindest in diesem futuristisch anmutenden Vorhaben namens „Organe aus dem 3D-Drucker“ steckt großes Potenzial. Davon sind Ärzte laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom überzeugt: Mehr als jeder vierte Arzt (27 Prozent) ist der Meinung, dass menschliche Organe im Jahr 2030 aus dem 3D-Drucker kommen werden. „Die Medizin bringt den 3D-Druck voran. Schon heute können sich Ärzte an originalgetreuen Modellen auf anstehende Operationen vorbereiten, was gerade in komplizierten Fällen eine große Hilfe sein kann“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Gewebestücke können schon heute 3D-gedruckt werden, bald werden es komplette Organe sein.“

Quelle: Deloitte; Bitkom, 2017

Nicht den Anschluss verlieren

Während die Weiterentwicklung des medizinischen 3D-Drucks auf Hochtouren läuft, schreitet die Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft – Stichwort: „Medizin 4.0“ –  eher gemächlich voran. Erst jedes vierte Krankenhaus verfügt aktuell über eine Digitalstrategie, so ein Ergebnis der Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft“, bei der die Beratungsfirma Rochus Mummert Healthcare Consulting 380 Führungskräfte deutscher Kliniken und Pflegeeinrichtungen befragt hat. Immerhin: Acht von zehn Krankenhäusern haben sich – übergreifend oder zumindest in einzelnen Projekten – auf den Weg gemacht. Der Anteil der Häuser mit digitalen, bereits im Alltag funktionierenden Projekten ist binnen eines Jahres auf 56 Prozent gestiegen. „Es wird einige Jahre dauern, bis wir in Deutschland von einer flächendeckenden Digitalisierung der Kliniken sprechen können“, sagt Dr. Peter Windeck, Studienleiter und Geschäftsführer von Rochus Mummert Healthcare Consulting. „Die Zunahme digitaler Einzelprojekte zeigt uns aber, dass sich die Gesundheitswirtschaft in die richtige Richtung bewegt.“ Neben der Verwaltung (84 Prozent) eigne sich laut Befragten vor allem die Diagnostik (75 Prozent) und stationäre Versorgung (57 Prozent) für Digitalisierung und Automatisierung. 

Fazit: Ob neue Technologien oder Digitalisierung – Chancen, Herausforderungen und Risiken, wie zum Beispiel beim Thema Datenschutz, müssen systematisch geprüft und bewertet werden und Hürden, etwa bei der Zulassung von Medizinprodukten und neuen Therapien, aus dem Weg geräumt werden. Nur so kann medizinischer Fortschritt (Herz-)Patienten in Deutschland auch in Zukunft sicher und schnell zugutekommen.

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