Moderne Medizin

Neue Hoffnungen für Patienten

Von Michael Gneuss · 2019

Fast 340.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an einer Herz- oder Kreislauferkrankung. Laut Deutschem Herzbericht ist die Zahl zuletzt gesunken – eine Folge des Fortschritts in der Herzmedizin. Künftig sollen auch mit Gesundheit 4.0 weitere Verbesserungen für Patienten möglich werden, zum Beispiel durch eine bessere Prävention.

Computerhafte Darstellung eines Menschen: Das Herz ist rot hervorgehoben.
Das Herz ist weiterhin ein wichtiges Feld in der medizinischen Forschung. Foto: iStock / cosmin4000

Das Herz ist wohl der wichtigste Muskel in unserem Körper. Im Lauf eines Menschenlebens schlägt es drei Milliarden Mal. Etwa 250 Millionen Liter Blut pumpt es dabei durch unseren Leib. Ohne die gewaltige Leistung dieses Organs können wir nicht leben: Herz- und Kreislauferkrankungen sind die Todesursache Nummer eins in Deutschland. Laut dem aktuellsten Herzbericht sterben pro Jahr fast 340.000 Menschen daran. Doch immerhin gibt die Tendenz bei einigen Erkrankungen Anlass zur Hoffnung. So sank die Zahl der Menschen, die in Deutschland an Herzschwäche (Herzinsuffizienz) starben, zuletzt um fast 15 Prozent. Bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) waren es minus 4,6 Prozent. Die Deutsche Herzstiftung führt diese Erfolge auf Verbesserungen der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung zurück. Doch es gibt noch viel zu tun in der Erforschung sowie in der Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen – und auch in der Prävention. Die wichtigsten Risikofaktoren sind seit Langem bekannt: Rauchen, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, hohe Cholesterinwerte, Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel sowie psychische Belastungssituationen und Stress. Aber auch Luftverschmutzung, Schlafmangel, Einsamkeit oder fehlende Grünzonen in erreichbarer Nähe werden von Experten hinzugerechnet. 

Krankheitsursache Stress

Viele Faktoren können wir durch eine gesündere Lebensweise selbst beeinflussen. Bei anderen ist das schwer oder gar unmöglich. Oft bedingen die Risikofaktoren sich gegenseitig. Erst vor einigen Monaten hat die University of Iowa Ergebnisse einer Studie zum Zusammenhang zwischen arbeitsbedingtem Stress und dem Risiko für Herzkrankheiten veröffentlicht. Wer danach großen Stress in seinem Arbeitsumfeld empfunden hat, lebte auch mit deutlich schlechteren gesundheitlichen Werten. Häufiger als bei anderen traten Fettleibigkeit, erhöhter Blutdruck und ein zu hoher Cholesterinspiegel auf. Auch fällt es gestressten Arbeitnehmern schwerer, auf Zigaretten zu verzichten oder sich gesund zu ernähren. Auf der anderen Seite machen medizinische Fortschritte Hoffnung. „Den größten Einfluss hat dabei die Digitalisierung – auch und gerade in der Behandlung von Herzkrankheiten“, meint Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). Mit neuer, digitaler Medizin können Krankheiten früher erkannt und besser behandelt werden. 

Moderne Medizin: Fortschritt durch Digitalisierung

Ein Beispiel ist die Telekardiologie. So erhöhen die Überwachung von Herzschrittmacher-Patienten über sichere Übertragungswege, eine geeignete Software und intelligente Algorithmen die Patientensicherheit und vermeiden routinemäßige Klinikaufenthalte. In der Herzchirurgie könnten sich mithilfe der 3-D-Drucktechnologie Fortschritte erzielen lassen, indem Modelle zur präzisen OP-Vorbereitung erstellt werden. 

Mediziner arbeitet mit holografischen Daten und Informationen.
Die Digitalisierung macht neue Behandlungsmethoden möglich. Foto: iStock / ipopba

Auch bei der Prävention bietet die Digitalisierung große Chancen. Über Wearables wie Fitness Tracker oder Gesundheits-Apps können Daten gesammelt werden. Dies dient einer individuelleren Behandlung der Patienten, die dadurch vor allem bei der Etablierung eines gesünderen Lebensstils unterstützt werden. Eine aktuelle Untersuchung der University of Manchester bestätigt, dass die Nutzung von Schrittzählern bei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Erhöhung der Aktivität bewirkt. Für eine „Apple-Watch-Studie“, deren Ergebnisse seit Anfang 2019 vorliegen, haben Forscher von Stanford Medicine regelmäßig Herz-Daten mithilfe einer Smartwatch gemessen und analysiert. Im Laufe der acht Monate dauernden Erfassung wurden bei 0,5 Prozent der Teilnehmer dank der intelligenten Uhr potenzielle gesundheitliche Probleme festgestellt. Die moderne Herzmedizin befasst sich auch immer mehr mit dem Thema „Multimorbidität“. Klar ist, dass sich nahezu sämtliche Krankheiten das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Insofern müssen die Mediziner immer im Auge behalten, inwiefern sich die unterschiedlichen Krankheiten in ihrem Erscheinungsbild und bei der Therapie auf Herz und Kreislauf auswirken. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus gehören zum Beispiel mit zu den häufigsten Ursachen etwa von Herzinsuffizienz. Infolge von Erkrankungen des Stoffwechselsystems können kleine Blutgefäße, auch Herzkranzgefäße, verstopfen. Eine dadurch bedingte Unterversorgung des Herzens wird schnell zur Ursache einer Herzinsuffizienz. Auch können Überfunktionen der Schilddrüse und Schlafapnoe zu Herzerkrankungen führen. Ebenso sind etwa bei Krebspatienten sowohl die Chemotherapie als auch die Strahlentherapie häufig mit ursächlich für Herzfunktionsstörungen.

Gene unter der Lupe

Auch die Gene spielen für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Rolle. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) will das genauer unter die Lupe nehmen. Die Wissenschaftler wollen das vollständige Erbgut von 1.000 früheren Patienten des UKE mit dem von 8.000 gesunden Menschen vergleichen. Nicht zuletzt beschäftigt sich die Forschung in wachsendem Maß mit Umwelteinflüssen auf Herz und Kreislauf. So fanden Schweizer Wissenschaftler heraus, dass insbesondere Feinstaub sowie auch Verkehrslärm das Herzinfarkt-Risiko deutlich erhöhen. So gelangen die Mikropartikel mitunter in die Lungenbläschen und werden mit dem Blut in alle Organe transportiert. Auf Dauer führt das zu chronischen Entzündungen der Gefäßwand, es droht ein Herzinfarkt.

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