Entwicklungen in der Medizin

Forschung auf der Erfolgsspur

Von Tobias Lemser · 2022

Mit rund 330.000 Fällen sind Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, gefolgt von Tumorerkrankungen, die häufigste Todesursache in Deutschland. Rechtzeitig aufgespürt, gibt es jedoch bereits viele Erfolg versprechende Diagnose- und Therapieverfahren – was in erster Linie auf die hiesige Spitzenmedizin und -forschung zurückzuführen ist.

Eine Roboterhand bedient ein futuristisches Display.
Die Fortschritte in der Digitalisierung dienen auch dem medizinischen Fortschritt. Foto: iStock / Blue Planet Studio

Möglichst lange zu leben ist unser aller Wunsch. Und blickt man auf die Statistiken zur durchschnittlichen Lebenserwartung, sind wir auf einem guten Weg, immer älter zu werden. Nach neuesten Angaben des Statistischen Bundesamts liegt diese bei einem männlichen Neugeborenen bei 78,6 Jahren. Frauen können laut der Sterbetafel 2018/2020 mit einer Lebenserwartung von 83,4 Jahren rechnen. Zu Beginn der 1980er-Jahre lagen die Werte noch bei rund 70 beziehungsweise 77 Jahren – eine kontinuierliche Steigerung, die vor allem dem medizinischen Fortschritt zuzuschreiben ist. 

Hohe Erfolgsrate bei Herz-OPs durch Entwicklungen in der Medizin

Gerade die Prävention und Therapie von Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sorgen dafür, dass sich unser Leben immer weiter verlängert. „Unsere Patientinnen und Patienten können überaus erfolgreich operiert werden. Die Überlebenschance liegt bei über 97 Prozent, auch bei den über 80-Jährigen“, erläutert Prof. Dr. med. Andreas Böning, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, im Herzbericht 2021. Demnach wurden im Jahr 2019 mehr als 96.400 Herzoperationen durchgeführt, davon 10.861 als Notfälle. Addiert man unter anderem alle Herzschrittmacher- und Defibrillator-Eingriffe sowie die Operationen der herznahen Hauptschlagader dazu, summiert sich die Gesamtzahl auf 175.000. 

Forschung wird umfassend finanziert 

Vor allem Vorhofflimmern ist eine Ursache für Eingriffe am Herzen – rund 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter. Da diese häufigste Herzrhythmusstörung ein wesentlicher Risikofaktor für Schlaganfälle ist, viele Betroffene davon aber gar nichts spüren, wird die Deutsche Herzstiftung dieses Thema nicht nur ins Zentrum der diesjährigen bundesweiten Herzwochen im November stellen, sondern die Forschung zudem mit einer Million Euro unterstützen. Forschungsgelder sind ebenso Grundvoraussetzung, um Krebserkrankungen erfolgreich zu therapieren. Hierbei von besonderer Relevanz ist die Analyse einer Vielzahl bislang kaum erforschter Risikogene, die eine Krebserkrankung auslösen können. Um die Wissenslücke zwischen Genanalyse und den daraus folgenden klinischen Maßnahmen zu schließen, greift ebenso die Deutsche Krebshilfe der Wissenschaft mit rund 1,3 Millionen Euro unter die Arme.

Game Changer Künstliche Intelligenz

Seit wenigen Jahren in aller Munde, könnte Forschenden zufolge die Künstliche Intelligenz (KI) zukünftig der entscheidende Player im Kampf gegen Tumorerkrankungen sein. Das Gute: Selbst heute werden laut der Kinderonkologin Prof. Dr. Angelika Eggert von der Berliner Charité bereits solche Instrumente eingesetzt, so etwa bei der molekularen Charakterisierung eines Tumors. „Das sind gewaltige Datenmengen, sodass wir für die Auswertung KI benötigen. KI ermüdet nicht nach acht Stunden, so wie die Kollegen das tun“, so Eggert, die darüber hinaus großes Potenzial in der Telemedizin und damit im Zugang von Patienten in der Peripherie zur Spitzenmedizin sieht. Braucht es für klassische klinische Studien in der Regel fünf oder zehn Jahre, könnten fortan viele Gesundheitsdaten aus dem telemedizinischen Versorgungsalltag bereits viel schneller vorliegen und eine gewaltige Lücke schließen – wie ein Beispiel aus den USA untermauert. Denn dank Telemedizin kam eine Ärzteteam zu der Erkenntnis, dass ein Brustkrebsmedikament nun auch bei einer sehr seltenen Form von Brustkrebs beim Mann eingesetzt werden kann. 

Und nicht nur bei Krebs, auch bei vielen anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes kann Telemedizin helfen: Sie fördert nicht nur das Verantwortungsbewusstsein, sondern ermöglicht beiden Seiten eine Rückkoppelung, was Patienten unabhängiger macht und ihnen ein Gefühl der Kontrolle gibt.

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