Herz-Kreislauf-Erkrankung

Am Puls der Patienten

Von Nadine Effert · 2018

Obwohl bereits viele Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgedeckt und effektive Behandlungsmöglichkeiten gefunden worden sind, bleibt der Forschungsbedarf groß. Der Grund: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gehören zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen. Um das zu ändern, ist jedoch nicht allein der medizinische Fortschritt gefragt.

Ein Leuchtherz vor einer Backsteinwand. Thema Herz-Kreislauf-Erkrankung

Es ist der Motor unseres Lebens, es leistet mit 100.000 Schlägen am Tag Erstaunliches: das Herz. Ist das Organ in seiner Funktion eingeschränkt, sind Betroffene oft stark beeinträchtigt. Teils droht Lebensgefahr. Einen dominierenden Einfluss auf die Sterblichkeit in Deutschland hatten im Jahr 2015 die Koronare Herzkrankheit (KHK), der Herzinfarkt mit 128.230 Sterbefällen und die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit 47.414 Sterbefällen. Das sind die jüngsten Zahlen aus dem im Januar veröffentlichten „Herzbericht 2017“. Sie legen auch offen, dass die Zahl der Sterbefälle durch Herzkrankheiten insgesamt leicht zugenommen hat. „Dieser Anstieg erfordert besondere Aufmerksamkeit seitens der Herzmedizin und Anstrengungen in der Versorgung auch angesichts der stetig zunehmenden Krankenhausaufnahmen von über 11.000 pro Jahr“, unterstrich Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. 

Herz-Kreislauf-Erkrankung: Frauen häufiger betroffen

Wie in den Vorjahren erliegen in der Summe mehr Frauen (117.518) als Männer (103.993) ihrer Krankheit. Experten führen dies auf die geschlechtsspezifische Wirkung mancher Herzmedikamente, anatomische Unterschiede am Herzen und den Gefäßen sowie unterschiedliche Symptome bei Männern und Frauen mit Herzleiden zurück. Beispiel Herzinfarkt: Nicht nur, dass die Anzeichen bei Frauen sich unterscheiden, auch fällt es ihnen laut Studien schwerer, die teils diffusen Hinweise richtig zu deuten. Die Folge: Der Infarkt wird später erkannt, was die Erfolgsaussichten der Behandlung schmälert. „Viele Klinikeinweisungen und Sterbefälle könnten durch verbessertes Wissen über die Krankheits­symptome, richtiges Notfallverhalten bei den Betroffenen und Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige Blutdruck- oder Pulsmessung vermieden werden.“

Prävention ist das A und O

Zur Vorsorge gehört auch Prävention und die kommt oft zu kurz. Rauchen, Stress, ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung – allesamt Risikofaktoren, die vermeidbar wären, und mit ihnen ein Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tabakkonsum ist einer der aggressivsten Risikofaktoren für das Entstehen von Gefäßerkrankungen. Die im Rauch enthaltenen Substanzen verengen die Gefäße, lassen den Blutdruck steigen und begünstigen arteriosklerotische Veränderungen. Und das stärker, als bisher angenommen: Forscher des University College London (UCL) kamen vor Kurzem zu dem Ergebnis, dass bereits eine Zigarette am Tag das Risiko für eine KHK bei Männern um 48 Prozent steigert; bei Frauen sogar um 57 Prozent. Und noch ein beeindruckendes Beispiel: So hat eine im britischen Fachjournal „Lancet“ veröffentlichte Studie gezeigt, dass bereits ein körperliches Training von 15 Minuten pro Tag das Herzinfarkt-Risiko um 20 Prozent sinken lässt. Statistisch betrachtet, heißt es in der Studie, verlängern die Menschen, die sich täglich 15 Minuten lang intensiv bewegen, ihr Leben um mindestens drei Jahre. 

Quelle: © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2017

Stillstand gibt es nicht 

Die Herzmedizin konnte in der Vergangenheit immense Fortschritte erzielen. Immerhin gehen rund 40 Prozent der verlängerten Lebenserwartung auf ihr Konto. So gelingt es heute beispielsweise dank Miniaturisierung in der Medizintechnik, einen Patienten innerhalb einer halben Stunde mit einer winzigen Herzklappe zu versorgen. Früher dauerte so ein Eingriff mehrere Stunden und musste unter Narkose durchgeführt werden. Stents, die verengte Gefäße offen halten, sind inzwischen – ebenso wie innovative Ballonkatheter – mit Medikamenten beschichtet, um das Risiko für Komplikationen zu reduzieren. Hochmoderne Computer-Tomographen erstellen dreidimensionale Bilder des Herzens und machen verkalkte Ablagerungen in kleinsten Gefäßen sichtbar. Einst war es die einzige Funktion von Herzschrittmachern, das Herz zu stimulieren. Heute überwachen sie parallel das Organ, in dem relevante Daten gesammelt werden. Diese können via Telemonitoring an das Krankenhaus gesendet und dort ausgewertet werden. Eine frühzeitige Intervention bei einer Verschlechterung des Zustandes ist so möglich. Genauso wie eine lückenlose Überwachung von Patienten in ländlichen Regionen. Weitere technische Entwicklungen und die Digitalisierung werden in Zukunft weiter dazu beitragen, die Lebensqualität und das Überleben von Patienten zu verbessern, da sind sich Experten einig. 

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