Thrombektomie

Akutbehandlung bei Schlaganfällen hat sich immens verbessert

Von Tobias Lemser · 2018

Kommt es zu einem Schlaganfall, zählt jede Minute. Denn je früher man beginnt, das Blutgerinnsel im Gehirn medikamentös aufzulösen, umso größer die Behandlungserfolge. Doch was ist, wenn das Ereignis bereits mehrere Stunden zurückliegt? Hoffnung macht eine ganz aktuelle Studie über einen vielversprechenden Therapieansatz.

Untersuchungsbilder eines Patienten mit Blutgerinnsel im Hirn. Thema: Thrombektomie

US-Schauspielerin Sharon Stone hat es bereits getroffen, genauso wie Sänger Wolfgang Niedecken oder Komikerin Gaby Köster. Die Rede ist vom Schlaganfall – einer lebensbedrohlichen Erkrankung, bei der in den meisten Fällen ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich durch ein Gerinnsel verstopft ist. Typische Symptome können Lähmungs- und Taubheitsgefühle in einer Körperhälfte, plötzliche Seh- und Sprachstörungen und akuter Schwindel sein.

Schlaganfall-Auslöser im Herzen 

Doch wie kommt es überhaupt dazu? Nicht selten ist Vorhofflimmern im Herzen einer der Auslöser. Durch eine Störung der Pumpfunktion staut sich das Blut in den Vorhöfen. Es kann verklumpen und schließlich ein Blutgerinnsel bilden, das ins Gehirn wandert – mit weitreichenden Folgen. Denn wird das betroffene Areal nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt, sterben bereits nach kürzester Zeit Gehirnzellen ab – pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen. Um diese fatalen Auswirkungen – jeder fünfte Schlaganfall-Patient stirbt sogar innerhalb von vier Wochen – zu vermeiden, ist es wichtig, bereits bei den ersten Symptomen unverzüglich den Rettungsdienst zu verständigen. Denn ein Gerinnsel sollte innerhalb von vier bis sechs Stunden nach dem Schlaganfall aufgelöst sein, damit das unterversorgte Gewebe nicht abstirbt.

Durchbruch Thrombektomie mittels Katheter

War über viele Jahre die systemische Thrombolyse das einzige Mittel, die Durchblutung im Gehirn wiederherzustellen, setzt man heute immer häufiger auf die mechanische Thrombektomie, bei der der Pfropfen mithilfe eines Mini-Katheters entfernt wird. Laut der zu Beginn des Jahres veröffentlichten Dawn-Studie, können bestimmte Patienten nun sogar noch sechs bis rund 24 Stunden nach dem Verschluss des Gehirngefäßes von dieser Methode profitieren. Man geht davon aus, dass bei diesen Patienten zwar ein Teil des Hirngewebes geschädigt, jedoch nicht abgestorben war.

Einfliegende Spezialisten

Problem nur: Nicht jede der bundesweit rund 310 Stroke Units verfügt über spezialisierte Neuroradiologen. Nur etwa 120 dieser Abteilungen mit besonderer Expertise auf Schlaganfälle bieten die Thrombektomie an. Gerade in ländlichen oder strukturschwachen Gebieten ist es schwierig, den großen Bedarf zu decken. Um dem entgegenzuwirken, startete dieses Jahr – zunächst erst einmal nur in Bayern – das Projekt "FIT  – Fliegende Interventionalisten". Das Besondere daran: Um die Zeit bis zur Behandlung erheblich zu verringern, werden für den Eingriff auf Thrombektomie spezialisierte Neuroradiologen mit dem Hubschrauber eingeflogen. Experten zufolge könnte dies in Zukunft den Therapieverlauf erheblich verbessern.

Dr. Heart darüber, wie man Schlaganfälle erkennt

FAST-Test: So erkennen Sie schnell einen Schlaganfall

FACE – GESICHT: Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln.

ARMS – ARME: Prüfen Sie, ob die Person beide Arme gleichmäßig anheben kann.

SPEECH – SPRACHE: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz sprechen.

TIME – ZEIT: Sollte Ihnen einer der Tests verdächtig vorkommen, rufen Sie sofort den Notarzt unter 112.

Tipp: Die FAST-Regel können Sie in der kostenlosen Schlaganfall-App der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe abrufen. Neben Notfallwissen hält sie zudem aktuelle News und Checklisten bereit.

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