Risikofaktor Neurodermitis

Vom Juckreiz zur Herzinsuffizienz?

Von Nadine Effert · 2018

Was hat die Hautkrankheit Neurodermitis mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu tun? Nur für den Laien nichts. Denn eine in 2018 im „British Medical Journal“ erschienene Studie zeigt: Menschen mit schwerer Neurodermitis haben ein deutlich erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Die Forscher leiten aus den Ergebnissen zudem konkrete Empfehlungen ab.

Sie ist trocken, gerötet und juckt: In der Haut von Neurodermitikern möchte keiner stecken. Doch damit nicht genug: Patienten mit atopischer Dermatitis, so der medizinische Begriff, entwickeln häufiger auch Begleiterkrankungen wie Asthma oder Diabetes. Welchen konkreten Zusammenhang es in Bezug auf Herz-Kreislauf-Krankheiten gibt, das hat das Forscherteam um Dr. Richard J. Silverwood von der London School of Hygiene and Tropical Medicine analysiert. Es nahm bei fast 400.000 Patienten mit schwerer Neurodermitis, die zwischen 1998 und 2015 bei niedergelassenen Ärzten in Großbritannien behandelt worden sind, die Anzahl der kardiovaskulären Vorfälle mittels Datenbanken unter die Lupe. Durchschnittlich wurden die Patienten fünf Jahre beobachtet. Zum Vergleich diente die Rate kardiovaskulärer Ereignisse von rund 1,5 Millionen Erwachsenen ohne juckenden Hautausschlag. 

Neurodermitis: Erhöhte Gefahr klinisch relevant

Das Ergebnis: Patienten mit schwerer atopischer Dermatitis – vor allem bei aktiven Formen – haben ein deutlich höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Zahlen bedeutet das: Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, war um 20 Prozent erhöht. Das Risiko für Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, Vorhofflimmern und Tod durch Herz-Kreislauf-Versagen stieg um 40 bis 50 Prozent an. Im Fall der Herzinsuffizienz, sprich einer verminderten Pumpleistung des Organs, konstatieren die Wissenschaftler sogar eine Zunahme von 70 Prozent. Da die Studie sehr groß angelegt war und darauf geachtet wurde, dass der Body-Mass-Index, Rauchen oder Alkoholkonsum das Ergebnis nicht verzerren, haben die Resultate durchaus verallgemeinernden Charakter. 

Quelle: © European Federation of Allergy and Airways Diseases Patients' Associations (EFA), 2018

Prävention und Therapie wichtig

Auf die Frage, warum es diesen Zusammenhang gibt, haben die britischen Forscher im Rahmen ihrer Studie keine Antwort. Hier bedarf es weiterer Forschung. Allerdings wird vermutet, dass Neurodermitis als entzündliche Erkrankung der Haut weitere entzündliche Krankheiten bedingt. Was die Epidemiologen allerdings haben, sind Empfehlungen hinsichtlich der medizinischen Betreuung von dieser Gruppe Neurodermitiker: zum einem, was verbesserte Präventionsstrategien, etwa in Form eines Screenings auf kardiovaskuläre Risikofaktoren, anbelangt; zum anderen, was die frühzeitige und gezielte, antientzündliche systemische Behandlung betrifft. Durch sie ließe sich möglicherweise nicht nur das Hautbild verbessern, sondern auch der kardiovaskuläre Outcome. Vor allem die neuen Biologika gelten hier als vielversprechend.

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