Veränderungen des Herzmuskels

Ein Virus und seine Spätfolgen

Von Tobias Lemser · 2020

Wer sich seit Pandemie-Ausbruch mit dem Coronavirus infiziert hat, lebt in Ungewissheit. Denn nicht nur schwere, sondern auch milde Krankheitsverläufe können sich mit Spätfolgen am Herzen bemerkbar machen. Welche das sind, haben Forscher der Universität Frankfurt in einer Studie veröffentlicht.

Ein Herz, was unter einer Glaskuppel von Viren geschützt wird.
Auch das Herz kann durch eine Corona-Infektion angegriffen werden. Foto: iStock / Brankospejs

Es ist nur eines der prägenden Bilder, die uns aus der Hochphase der Corona-Pandemie dieses Frühjahr im Gedächtnis geblieben ist: Schwersterkrankte, intubierte COVID-19-Patienten in Frankreich, die mit dem Zug quer durchs Land transportiert wurden – allein mit dem Ziel, ein freies Intensivbett zu bekommen. Zwar hat sich hierzulande die Lage bei Weitem nicht so dramatisch zugespitzt, dennoch sind auch bei uns vereinzelt Intensivstationen an ihre Grenzen gestoßen. Mehr als 9.400 Menschen (Stand 25. September 2020) sind bis heute durch die Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus gestorben.

Studie über Spätschäden: Veränderungen des Herzmuskels

Auch wenn rund 248.500 Menschen der hierzulande mehr als 280.000 COVID-19-Erkrankten wieder genesen sind, vermag jetzt noch keiner zu sagen, ob einige dieser Betroffenen – ganz abgesehen von den aktuell mehr als 22.000 Erkrankten – vielleicht doch Spätfolgen etwa am Herzen davontragen könnten. Eine der Fragen, denen Forscher an der Universität Frankfurt genauer auf den Grund gingen. Hierfür analysierten sie in einer Ende Juli publizierten Studie MRT-Aufnahmen der Herzen von 100 COVID-19-Patienten. Ergebnis: Bei 78 Patienten zeigten sich trotz eines ursprünglich sehr leichten Infektionsverlaufs und ansonsten gesunder und zumeist sportlicher Erscheinung entzündliche Veränderungen des Herzmuskels oder des Herzbeutels. Bei 60 Prozent der Genesenen konnte als Langzeitschaden sogar eine aktive Herzmuskelentzündung ausgemacht werden. Hinsichtlich der Spätfolgen gehen die Forscher davon aus, dass einige wenige Patienten mit einem kleinen Herzschaden leben müssen. Grund hierfür sei bei 71 Prozent ein erhöhter Anteil des Stoffes Troponin – einem Marker für Herzmuskelschäden.

Quelle: The Lancet, 2020

Herz kann sich erholen

Zu positiveren Nachrichten kam dagegen Anfang September ein Team der Universitätsklinik Innsbruck: Die Forscher nehmen an, dass sich sowohl Lunge als auch Herz nach zwölf Wochen allmählich vom Befall durch das Coronavirus erholen können. Weitere Erkenntnisse dieser langfristig angelegten Studie werden mit Spannung erwartet. Heißt also? Prävention sollte weiterhin oberste Priorität haben. Experten empfehlen Abstand zu halten, Hygienevorschriften einzuhalten und – wo gefordert – Alltagsmasken zu tragen, um sich vor einer Infektion und den möglichen Spätfolgen zu schützen.

Quellen:
​Kardiologie.org "Aktuelles zum Coronavirus"
Deutsche Herzstiftung "Herzschädigung bei Covid-19"
Robert Koch Institut "Coronavirus SARS-CoV-2"

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