Wenn das Herz plötzlich stehen bleibt

Spurensuche in den Genen

Von Sarah Schroth · 2022

Er tritt schnell und meist völlig unverhofft ein: der plötzliche Herztod. Welche Rolle dabei die Gene besonders bei jungen Menschen spielen und wie die Erkenntnis künftig bei der Prävention genutzt werden kann, zeigt eine neue US-Studie.

Forscher mit Reagenzglas und Symbolen von DNA und chemischen Verbindungen.
Genanalysen können Aufschluss geben über die Ursachen bestimmter Erkrankungen. Foto: iStock / metamorworks

Viele zitterten mit, als der dänische Fußballprofi Christian Eriksen vor knapp einem Jahr im Live-TV zusammenbrach und reanimiert wurde. Ursache war ein Herzstillstand, ausgelöst durch eine Herzrhythmusstörung. Eine wichtige Nachricht vorab: Insgesamt ist das Risiko eines Herzstillstandes für junge, gesunde Menschen gering. Weit über 75 Prozent der 65.000 plötzlichen Herztode in Deutschland betreffen über 65-Jährige mit bekannten Vorerkrankungen des Herzes. Verheerend jedoch: Es gibt kaum Warnsignale, und bleiben sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen und ein rasches Eintreffen des Notarztteams aus, endet das Ereignis, unabhängig vom Alter, tödlich.

Wenn das Herz plötzlich stehen bleibt: Autopsien geben wichtige Hinweise

In aller Regel liegen dem plötzlichen Herztod Erkrankungen zugrunde, die das Herz aus dem Takt bringen und den Blutfluss im Körper unterbrechen. Im höheren Alter sind das oft Verkalkungen der Herzkranzgefäße oder vorbestehende Schäden des Herzmuskels. Anders ist es bei jungen Betroffenen. Hier sind die gefährlichen Rhythmusstörungen oft verschiedenen Herzerkrankungen zuzuschreiben, die aufgrund ihrer Seltenheit und initialer Symptomfreiheit lange Zeit unentdeckt bleiben. Der plötzliche Tod vermeintlich gesunder Menschen hinterlässt viele Fragezeichen. Nun fanden US-Forscher heraus, dass genetische Ursachen dabei eine entscheidende Rolle spielen können. Im Fachmagazin „JAMA Cardiology“ berichten sie davon, dass bei fast jedem fünften Ereignis, dessen Ursache nicht in einer bekannten Vorerkrankung lag, in den anschließenden Autopsien bestimmte Genvarianten festgestellt werden konnten.

Screening kann Leben retten

Diese Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten: In einigen Ländern werden im Hochleistungssport diesbezüglich bereits Screenings durchgeführt. Wird eine entsprechende Mutation festgestellt, könnte mit Betroffenen über die Option eines Herzschrittmachers oder implantierbaren Defibrillators (ICD) gesprochen werden, der als eine Art „Notfall-Taktgeber“ fungiert. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich zeigt, ob solch ein Screening für die Allgemeinbevölkerung oder allenfalls bestimmte Risikogruppen sinnvoll ist. Aber eines zeigt der Fall des jungen Fußballers Christian Eriksen: Auch junge Menschen können betroffen sein und sollten möglichst früh einen Herz-Kreislauf-Check-up durchführen lassen, der ab dem 18. Lebensjahr einmalig von Krankenkassen übernommen wird.

Quellen:
bigthink.com: Genetics of unexplained sudden cardiac arrest
Ärzteblatt: Herzstillstand beim Sport betrifft häufiger Amateursportbereich
Apotheken-Umschau: Plötzlicher Herztod: Unerwartet und tragisch

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