Schlaflosigkeit

Unterschätzter Stress fürs Herz

Von Luisa Gerber · 2019

Forschungsergebnisse belegen: Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hängen miteinander zusammen und können schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt führen. Was genau passiert im Körper, wenn wir nachts nicht zur Ruhe kommen? Und wirkt sich die Länge des Schlafes auch auf die Gesundheit unserer Pumpe aus?

Mädchen liegt wach im Bett und schaut aufs Smartphone.
Schlechter oder wenig Schlaf wirkt sich auf den gesamten Körper aus. Foto: iStock/patat

Wer hat damit nicht schon Erfahrung gemacht: Abende, an denen selbst das Schäfchenzählen nicht zum Einschlummern führt. Nächte, in denen man kein Auge zubekommt, sich unruhig hin- und her wälzt. Morgen, an denen man sich wie gerädert fühlt. Laut DAK-Gesundheitsreport 2017 leidet etwa jeder Zehnte in Deutschland an Schlafstörungen – worunter sowohl Einschlaf- als auch Durchschlafprobleme zu verstehen sind. Ursachen gibt es viele: etwa körperliche Erkrankungen wie Schlafapnoe, Stress, ein ungesunder Lebensstil, eine schlechte Schlafhygiene. Fakt ist: Wer über einen längeren Zeitraum schlecht nächtigt, riskiert ernsthafte gesundheitliche Folgen. 

Bei Schlaflosigkeit verstopfen Gefäße

So konnte eine Erhebung des Centro Nacional de Investigaciones Carlos III in Madrid bei der Auswertung von knapp 4.000 Personen vor Kurzem bestätigen, dass sich neben einer schlechten Schlafqualität auch eine kurze Schlafdauer auf eine Arterienverkalkung (Atherosklerose) – Ursache für Herzinfarkt und Schlaganfall – auswirken kann. Dafür analysierten die Forscher die Progressionsrate und Häufigkeit der Gefäßproblematiken der Untersuchten. Das Ergebnis: Teilnehmer, die unter sechs Stunden Schlaf bekamen, hatten ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko für Atherosklerose als jene, die sieben bis acht Stunden vor sich hinschlummerten. Wie genau Schlafstörungen sich auf Gefäße auswirken, sind Wissenschaftler am Massachusetts General Hospital in Boston nachgegangen. Tests an Mäusen zeigten, dass bei wiederholter nächtlicher Ruhestörung ein gesteigertes Wachstum atherosklerotischer Plaques, also Ablagerungen, in den Gefäßen auftrat. Im Zuge dessen konnte auch nachgewiesen werden, dass im Gehirn, genauer gesagt im Hypothalamus, weniger des Hormons Hypocretin produziert wurde. Dessen Mangel wiederum trieb die Produktion von Zellarten voran, die an der Entzündungsreaktion in der Gefäßwand beteiligt sind und zur Bildung von Atherosklerose führt. Ob diese Mechanismen auch beim Menschen greifen, beantwortet die im Februar 2019 in „Nature“ veröffentlichte Studie nicht.

Quelle: Schlaf gut, Deutschland, TK-Schlafstudie, 2017

Umgehend für gesunden Schlaf sorgen

Schlaf ist nach heutigem Wissensstand also ein Faktor, der einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit der Gefäße und des Herzens hat. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und -medizin rät bei leichten Schlafstörungen zu einer gesunden Schlafhygiene: Ausschlaggebend dabei sind ein gesunder Lebensstil und eine schlaffördernde Umgebung. Wer jedoch mit stärkeren Schlafstörungen zu kämpfen hat, in der Nacht nicht zur Ruhe kommt und am Tag ständig müde ist, sollte zum Arzt gehen.

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