Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom

„Wir richten T-Zellen auf Angriff aus“

Von Tobias Lemser · 2020

Portrait: Dr. Gerno Schmiedeknecht

Die Heilungsrate der neu diagnos­tizierten DLBCL beträgt bis zu 70 Prozent. Für alle anderen Patienten, die nach zwei Therapielinien nicht auf die Behandlung ansprechen, kommt die CAR-T-Zelltherapie infrage. Dr. Gerno Schmiedeknecht vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI über die zellbasierte Gentherapie und die Arbeit unter Reinraumbedingungen.

Herr Dr. Schmiedeknecht, was ist das Besondere an der Chimeric Antigen Receptor (CAR)-T-Zelltherapie?

Diese personalisierte Therapie richtet sich präzise gegen die Krebszellen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die T-Zellen des Immunsystems. Sie haben die Aufgabe, körperfremde und entartete Zellen zu erkennen und zu zerstören. Durch eine Art molekulare Tarnung entwischen einige dieser entarteten Zellen den T-Zellen. In der Folge versagt das Immunsystem und die Krebszellen können sich ungebremst vermehren.

Und genau hier setzt diese Therapie an?

Richtig, das ist eine aufwendige gentechnische Manipulation der patientenspezifischen T-Zellen, damit diese auch die „getarnten Krebszellen“ erkennen können. Dazu werden dem Patienten in der Klinik per Apherese, einem Blutseparationsverfahren, Immunzellen entnommen. In unseren Reinraumlaboren bringen wir dann eine künstlich designte Oberflächenstruktur, den sogenannten CAR-Rezeptor, in die T-Zellen ein. Damit können die T-Zellen, nachdem sie per Infusion in den Körper zurückgegeben wurden, die Krebszellen nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip aufspüren und festhalten. Durch die Ausschüttung zytotoxischer Substanzen werden sie schließlich abgetötet. 

Worauf kommt es bei der Arbeit in Reinräumen an?

Alle unserer Herstellungs- und Qualitätskontrollmitarbeiter brauchen nicht nur einen hohen Trainingsgrad, um fehlerfrei arbeiten zu können, sondern auch viel fachliches Verständnis für die biologischen Abläufe. Schließlich arbeiten wir mit lebenden Zellen, die nicht immer so reagieren, wie man es erwartet. Erschwerend kommt hinzu, dass unsere Mitarbeiter mehrere Schichten Schutzkleidung tragen und aufgrund der technischen Luftfilterung unter hohem Geräuschpegel und Überdruck arbeiten müssen.

Wie groß ist Ihr Einzugsgebiet?

Wir bekommen Apheresen aus Deutschland, aber auch aus anderen EU-Staaten. Da entscheidet nicht die räumliche Nähe, sondern wo die Zellen am schnellsten bearbeitet werden können. Das ist eine große Herausforderung, wenn zukünftig noch mehr Patienten von dieser vielversprechenden Therapie profitieren sollen.

Welche Rolle spielen dabei Kooperationen mit pharmazeutischen Unternehmen?

Besonders intensiv ist der Austausch bei den Zuweisungen der Apheresate zu den verfügbaren Zeitslots, den Planungen der Herstellungsslots sowie der Abstimmung zu qualitativen Aspekten. Dies stellt die Basis dafür dar, dass die Medikamente erfolgreich zu den Patienten gelangen.   

Quellen:
www.wissensschau.de/krebs_tumor/car-t-zellen_immuntherapie_krebs.php
https://healthcare-in-europe.com/de/news/erste-krebspatientin-mit-car-t-zell-therapie-behandelt.html
www.youtube.com/watch?v=F67rPCxNJZU

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