Bio-Stents und Herzinfarkt

Rätsel um „Bio-Stents“ gelöst

Von Nadine Effert · 2018

Darstellung eines Stents. Thema Herzinfarkt und Bio-Stents
Stützende Metallgerüste werden in das Gefäß eingesetzt, um für einen freien Blutfluss zu sorgen.

In Deutschland kommt es bei jährlich rund 300.000 Menschen es zu einem Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Vielen Betroffenen retten Stents das Leben. Große Hoffnung lag in den vergangenen Jahren auf Modellen, die sich selbst auflösen. Warum die „Bio-Röhrchen“ im Praxistest scheiterten, haben jüngst Schweizer Kardiologen herausgefunden.

Nach einem Herzinfarkt zählt jede Minute, denn spätestens zwei bis vier Stunden nach dem Infarkt sterben aufgrund der verringerten Sauer- und Nährstoffzufuhr Herzmuskelzellen ab. Es droht Lebensgefahr. Für jährlich rund 50.000 Menschen, die einen sogenannten akuten Myokardinfarkt erleiden, kommt jede Hilfe zu spät. Die gute Nachricht: Seit Mitte der 1990er-Jahre ist eine Abnahme der Sterbeziffer zu verzeichnen. „Es ist wahrscheinlich, dass diese Reduktion – abgesehen vom Rückgang der Anzahl von Rauchern – auch auf Verbesserungen der präventiven, rehabilitativen und therapeutischen Maßnahmen beruht“, heißt es im Deutschen Herzbericht 2017. 

Stents retten Leben

Insbesondere habe die interventionelle Wiedereröffnung der Gefäße mithilfe der Kathetertechnik zur positiven Entwicklung beigetragen. Die Therapie der Wahl ist die primäre perkutane Koronar­intervention (PCI): der Gefäßverschluss wird mit einem Ballonkatheter eröffnet und ein Stent implantiert. Über 350.000 der stützenden Gitterröhrchen werden jährlich in deutschen Krankenhäusern eingesetzt. Moderne Vertreter sind heute mit Medikamenten beschichtet, um einer Restenose, eine erneute Verstopfung des metallischen Röhrchens durch eine Art von Narbengewebe, vorzubeugen. 

Bio-Stents: Blutverdünner wichtig

Was bleibt, ist die Tatsache, dass Stent-Patienten blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, damit sich rund um das Fremdmaterial keine gefährlichen Blutgerinnsel bilden. Große Hoffnungen lagen seit der Erstzulassung in 2011 auf bioresorbierbaren Stents, die sich innerhalb weniger Jahre selbst auflösen – mit dem Ziel, dass sich das Risiko für Restenosen ebenfalls in Luft auflöst. Studien zeigten jedoch, dass die Bio-Stents mittelfristig das Risiko für weitere Herzinfarkte erhöhen. Kardiologen vom Universitätsspital Bern wissen seit Kurzem den Grund: „Obwohl die Stents korrekt implantiert wurden, sahen wir Einbrüche des Gerüsts ins Innere des Gefäßes“, erklärt Professor Lorenz Räber in der Mitteilung. „Sind diese Fragmente aber noch nicht vollständig in die Gefäßwand eingewachsen, können sie im Rahmen des Auflösungsprozesses in den Blutstrom fallen.“ Die Schweizer Forscher raten Patienten mit Bio-Stents daher, die Blutverdünnung mit zwei Plättchenhemmern auf drei bis vier Jahre auszuweiten, dann bestünde keine Gefahr. Zwar sind die Bio-Stents vorerst aus dem Rennen, doch Hersteller und Fachleute sind zuversichtlich, dass neue Modelle in Zukunft durch eine angepasste Geometrie und ein verbessertes Material die Nase vorn haben werden gegenüber den konventionellen Stents.

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