Herzerkrankungen

Das Herz in Zeiten von Corona

Von Nadine Effert · 2020

Für viele Millionen Herz-Kreislauf-Patienten in Deutschland stellt der Alltag enorme Herausforderungen dar – insbesondere während der Corona-Pandemie. Eine belastende Zeit, in der Patienten jedoch weiterhin und insbesondere von den Fortschritten der Medizin und den neuen Technologien profitieren können.

Die Hälfte eines Herzes ist als Coronavirus geformt.
Das SARS-CoV-2-Virus kann auch das Herz angreifen. Foto: iStock / Stockcrafter

Die Angst vor schwerwiegenden Verläufen der COVID-19-Erkrankung ist weiterhin groß. Haben Menschen mit Herz- und Gefäßerkrankungen doch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und erleiden häufiger besonders schwere Komplikationen mit hoher Sterblichkeit. Als Ursache infrage kommen zum einen ein akutes Ereignis wie Herzmuskelentzündung, Herzinfarkt und die Entgleisung einer Herzschwäche oder ein besonders schwerer Verlauf einer Lungenentzündung. Experten raten weiterhin zu erhöhter Wachsamkeit, aber keine Panik. Das gilt übrigens für jeden von uns, denn: Das Virus kann Herz und Kreislauf sowohl direkt als auch indirekt beeinträchtigen. So konnten Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung das Virus SARS-CoV-2 im Herzmuskel von Patienten mit Herzmuskelentzündung nach abgelaufener COVID-19 Erkrankung finden.

Häufigste Todesursache sind Herzerkrankungen

Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen im weitesten Sinne alle Krankheiten des Herzens und des Gefäßsystems. Das Spektrum reicht von Bluthochdruck und Venenthrombosen über Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz bis hin zu koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Als chronisches Krankheitsbild stellen sie eines der häufigsten und gesundheitsökonomisch relevantesten Gesundheitsprobleme weltweit sowie einen großen Teil der krankheitsbedingten Sterblichkeit dar. Laut Deutscher Herzstiftung werden jährlich in Deutschland über 1,7 Millionen vollstationäre Fälle wegen Herzkrankheit in einer Klinik behandelt, davon alleine fast 218.000 wegen eines Herzinfarkts. Über 300.000 Frauen und Männer sterben jedes Jahr an einer Herzkrankheit. Damit bleiben Herzleiden die Haupt-Todesursache: 37 Prozent der Todesfälle in Deutschland sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Vor allem ältere Menschen sind von betroffen, doch die Zahl der Erkrankten unter 50 Jahren ist steigend. 

Digital die Nase vorn

Um die Behandlungsqualität und Überlebenschancen zu verbessen, ist zum einen Forschung das A und O, zum anderen der Einsatz von innovativen Technologen und medizinischem Hightech. Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch, insbesondere im Bereich der Kardiologie. Mit ihr eröffnen sich neue Möglichkeiten der Kommunikation, der Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Herzpatienten. So können beispielsweise patientenbezogene Bilder, etwa Herzkatheterfilme, heute digital gespeichert und in hoher Auflösung an die Herzchirurgen zur Besprechung im interdisziplinären Heart Team versendet werden – und zwar während der Patient noch auf dem Kathetertisch liegt. 

Telemedizin und KI

Weiteres Beispiel: das Monitoring von Patienten mit Herzschrittmacher, das über sichere Übertragungswege, eine geeignete Software und intelligente Algorithmen erfolgt. Es erhöht die Patientensicherheit und vermeidet routinemäßige Klinikaufenthalte. Telemedizin ist in Zeiten der Corona-Krise auch ein wichtiges Instrument, um das Risiko einer COVID-19-Erkrankung für Patienten, etwa mit einem implantierten Defibrillator (ICD), zu reduzieren. Im April hatten die im Bundesverband Medizintechnologie zusammengeschlossenen Hersteller von Herzrhythmus-Implantaten daher eine Initiative gestartet, die sich für den vermehrten Einsatz telemedizinischer Nachsorgen einsetzt. 

Grafik: Marktentwicklung von Apps und Geräten für Herzfehler und Diabetes bis 2022

Ebenso können Verfahren aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Maschinelles Lernen wertvolle Beiträge für eine optimierte Patientenversorgung leisten: etwa intelligente Algorithmen, die mit Methoden aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz krankhaft veränderte Herzklappen genau vermessen, um Implantate passgenau auswählen und einsetzen zu können. Aber auch die Medizinproduktehersteller arbeiten an digitalen Systemen für unterschiedlichste Bereiche und Anwendungssituationen. 

Nachholbedarf bei Prävention

Trotz einer immer besseren Versorgung, gibt es immer noch zu viele Patienten und Todesfälle. Woran liegt das? Eine wesentliche Rolle spielt die begrenzte Prävention bei den Erwachsenen. In der Tat: Was bringt eine moderne Herz- und Gefäßmedizin, wenn Menschen weiterhin zum Glimmstängel greifen, sich ungesund ernähren, kaum Sport treiben und anhaltenden Stress auf die leichte Schulter nehmen? Wenn sie ausblenden, welche Rolle Bluthochdruck und Diabetes mellitus spielen? Immer noch sind fast 30 Prozent der Reha-Herzpatienten Raucher, 18 Prozent sind stark übergewichtig, 22 Prozent haben Diabetes. Nicht umsonst forderten Herzspezialisten im letzten „Herzbericht 2018“ der Deutschen Herzstiftung, den hohen Stellenwert der Prävention durch stärkere öffentliche Investitionen durchzusetzen. Solange das Corona-Virus unter uns ist, ist ein gesunder Lebensstil mit gesunder Ernährung und möglichst regelmäßiger Bewegung für Herzpatienten übrigens besonders wichtig. Um das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung zu verringern, empfehlen Herzspezialisten ihnen deshalb Laufen oder Radfahren an der frischen Luft und Gymnastik zu Hause. Die körperliche Aktivität hilft dabei, die Durchblutung und Gefäßelastizität zu fördern und die Pumpe fit zu halten.

COVID-19: Empfehlungen für kardiale Risikopatienten

• Die Symptome einer COVID-19-Infektion können die klassischen Symptome und typische Krankheitsbilder eines akuten Herzinfarktes überlagern, sodass das Risiko einer Unterdiagnose besteht. Patienten sollten daher genau auf ihren Körper hören und besonders aufmerksam werden bei vermehrtem Husten und Kurzatmigkeit.

• In Gebieten, in denen das Virus aktuell grassiert, sollten Herzpatienten sich über ihre besonderen Risiken und zusätzliche Schutzmaßnahmen informieren.

• Für alle Patienten ist die konsequente Einnahme der vom Arzt verschriebenen Medikamente wichtig. Diese sollten auch für den Fall einer schweren Erkrankung oder Quarantäne in einer Monatsmenge zu Hause bereitliegen.

• Herzkranken Patienten ist ein Influenza-Impfschutz empfohlen, um etwa eine Doppelinfektion mit COVID-19 oder einer anderen Lungenkrankheit zu vermeiden.

• Bei Beratungsbedarf sollten Patienten möglichst telemedizinische Sprechstundenangebote nutzen.

Quelle: https://dzhk.de/coronavirus-fragen-und-antworten-fuer-herz-kreislauf-patienten/

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