Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Mit Ballons und Hosen gegen den Verschluss

Von Tobias Lemser · 2018

Grafik eines Gefäßes. Thema periphere arterielle Verschlusskrankheit
Durch Ablagerungen in den Gefäßen entstehende Blutgerinnsel können einen Schlaganfall auslösen.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, kurz PAVK, ist eine Gefäßerkrankung, die von schweren Durchblutungsstörungen vor allem in den Beinen gekennzeichnet ist. Um die erhöhte Gefahr für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu mindern, kann ein neuartiger Ballonkatheter und in Zukunft eine Art „Herzhose“ Betroffenen helfen.

Ein Stück gehen, stehen bleiben, kurz warten, bis die Schmerzen in der Wade nachlassen, und weiter geht‘s: Wer unter einer fortgeschrittenen PAVK leidet, kennt diese Beschwerden. Die ebenso als Schaufensterkrankheit bekannte Durchblutungsstörung, an der hierzulande rund 4,5 Millionen Menschen erkrankt sind, verläuft jedoch zumeist lange beschwerdefrei. 

Tückisch, denn die PAVK kann ein gefährlicher Vorbote für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt sein. Etwa dann, wenn die Adern  – bedingt durch familiäre Vorbelastung und ungesunde Lebensführung – an Elastizität verlieren und sich durch Ablagerungen verengen. Kritisch wird die Erkrankung beim Aufbrechen dieser sogenannten Plaques. Setzen sich Blutplättchen an diesen Stellen fest, kann ein Blutgerinnsel entstehen, das im ungünstigsten Fall bis ins Herz oder Gehirn wandert und für einen lebensbedrohlichen Gefäßverschluss sorgen kann. 

Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Ballonkatheter mit Arzneibeschichtung

Doch wie können die Betroffenen, die zumeist über 65 sind, diese Gefahr in den Griff bekommen? Während man bei einer leichten PAVK durch Gehtraining, Nikotinverzicht und Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes viel bewirken kann, ist bei schweren Formen ein innovativer Ballonkatheter erfolgversprechend. Dieser wird bis zum Engpass vorgeschoben und so stark aufgeblasen, dass die Kalkablagerung an die Gefäßwand gepresst wird und das Blut wieder frei fließen kann. 

Problem jedoch: Häufig entsteht an der entsprechenden Stelle im Laufe der Monate eine neue Barriere. Um die durch den Aufdehnungsreiz wachsenden Wucherungen an der Gefäßwand zu vermeiden, gibt es eine Lösung: Ein Arzneistoff an der Ballonoberfläche, der in die Gefäßwand übergeht und ein erneutes Zuwuchern eindämmt. Wie aktuelle Studien belegen, zeigen ebenso medikamentenbeschichtete Stents, die im Unterschenkel platziert werden, diesen vorteilhaften Effekt.

„Herzhose“ sorgt für Bewegung

Ebenso vielversprechend klingt ein aktuelles Projekt an der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Ziel des Forscherteams ist es, mit einer sogenannten Herzhose den Blutfluss zu beschleunigen und somit die Regenerationskraft der Arterien zu aktivieren. Wie das geht? Während der Therapie werden um die Hüfte und Oberschenkel des Patienten Manschetten gewickelt, die sich rhythmisch im Takt des Herzens zusammenziehen und so den Fluss des Blutes ankurbeln. Zeigt sich anhand der klinischen Studie, dass die Therapie anschlägt, soll sie ab 2020 bundesweit in ausgewählten Zentren zur Behandlung von PAVK angeboten werden.

Wussten Sie schon, dass …

  • die Bypasschirurgie lange Zeit die einzige Standardmethode war, um Patienten mit PAVK zu behandeln? 

  • atherosklerotisch veränderte Arterien erstmals in den 1960er-Jahren mit Ballondilatationen behandelt wurden?

  • durch die stetige Verbesserung der Ballon-Methode heute Erfolgsraten von über 90 Prozent bei der Behandlung von PAVK erzielt werden?

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