Herzinsuffizienz

Sind Gene der Schlüssel zum Erfolg?

Von Nadine Effert · 2018

Ein Wissenschaftler ergänzt das Modell eines Genoms. Thema Herzinsuffizienz
Die Genforschung geht den Ursachen von Krankheiten auf den Grund, um neue Therapieansätze entwickeln zu können.

Mit einer simplen Injektion Herzinsuffizienz heilen? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Jetzt sind Forscher aus New York durch einen neuen Ansatz in der Gentherapie dem Durchbruch einen großen Schritt näher gekommen. Im Fokus: ein Protein, das mit verantwortlich ist für die Kontraktionsfähigkeit des Herzens.

Rattert der Motor oder pfeift der Auspuff am Auto, fahren wir mit dem Gefährt in die Werkstatt. Geht hingegen uns selbst die Puste aus, denken viele von uns, man könnte mal wieder etwas für die Fitness tun oder werde eben einfach älter. Mit der Selbstdiagnose kann, muss man aber nicht richtig liegen. Vor allem, wer auch im Ruhezustand schlecht Luft bekommt, sollte einen Arzt aufsuchen und seine Pumpe checken lassen. Der Grund: Es könnte eine Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz genannt, vorliegen. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer chronischen Herzinsuffizienz. Sie ist mit jährlich mehr als 440.000 Einweisungen der häufigste Grund für einen Klinikaufenthalt und eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt.

Herzinsuffizienz: Komplexes Krankheitsbild

Aufgrund der Komplexität der Erkrankung verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Herzinsuffizienz-Patienten asymptomatisch und schleichend. Verschlechterungen bleiben folglich über längere Zeit unbemerkt. Verheerend, denn durch den Rückstau von Blut kann es zu Schädigungen bis hin zum Funktionsverlust von Organen kommen. Auch ein plötzlicher Herztod kann drohen. Um ihn und Folgeerkrankungen zu vermeiden, müssen vielen Patienten elektronische Implantate eingesetzt werden, etwa ein Herzschrittmacher oder eine kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) – vor allem dann, wenn eine medikamentöse Therapie nicht ausreicht. Im fortgeschrittenen Stadium hilft oftmals nur eine Herzimplantation. 

Tests an Schweinen vielversprechend

Forscher sind zuverlässig, dass in Zukunft Patienten mit Herzinsuffizienz mittels Gentherapie geholfen werden kann. Im Rahmen einer Studie, die ein Forscherteam an der Icahn School of Medicine in New York vor Kurzem durchgeführt hat, erhielt eine Gruppe Schweine ein Gen verabreicht, welches das Protein Phosphatase-1 reguliert. In zu hoher Konzentration vorhanden – so bei Patienten mit Herzschwäche der Fall –, führt das zu einer verringerten Kontraktionsfähigkeit des Herzens. Die andere Gruppe Schweine bekam eine Salzlösung als Placebo. Das Ergebnis: Durch die mithilfe eines eingeschleusten künstlichen Virus in die Herzzellen eingeschleusten Gene konnte die Herzinsuffizienz in der linken Herzkammer um 25 Prozent und im linken Vorhof um 20 Prozent verringert werden. Zusätzlich verringerte sich die Größe der Schweineherzen um zehn Prozent. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse sollen nun Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche für klinische Studien gewonnen werden.

Wussten Sie schon, dass ...

  • jedes Jahr bis zu 300.000 Menschen neu an einer Herzschwäche erkranken?

  • die chronische Herzinsuffizienz der häufigste Grund für Klinikeinweisungen ist?

  • obwohl das Gros der Patienten über 65 Jahre alt ist, auch junge Menschen betroffen sein können?

  • chronische Herzinsuffizienz jedes Jahr mehr Tote fordert als Krebs?

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