Digitalisierung im Gesundheitswesen

Smarte Technik, die doppelt schützt

Von Tobias Lemser · 2020

Per Video mit den eigenen Patienten in Kontakt zu treten, ist einer der großen Trends, der aus der Corona-Pandemie heraus entstanden ist. Doch auch in Sachen Herz-Apps ging die Entwicklung weiter. Was bereits gut funktioniert und wo noch nachjustiert werden muss.

Person, die eine Video-Sprechstunde mit einer Ärztin abhält.
Foto: iStock/ Lacheev

So sehr das tägliche Leben während des Lockdowns im Frühjahr ruhte, so schnell beschleunigte sich ein ganz anderer Bereich: die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Insbesondere von Hausärzten angebotene Videosprechstunden wurden zum großen Renner. Was bis zum Ausbruch der Pandemie gerade auf Ärzteseite noch für große Skepsis sorgte, ist nun kaum noch aus deren Alltag wegzudenken.

Digitalisierung im Gesundheitswesen​: Ärzte entdecken Videotechnik für sich

Wie eine im Juni veröffentlichte Online-Untersuchung von Stiftung Gesundheit, dem Institut für Public Health sowie dem Bundesgesundheitsministerium ergab, bieten inzwischen 52 Prozent der befragten Mediziner Videosprechstunden an. Ende 2017 waren es gerade einmal 1,8 Prozent der ambulant tätigen Ärzte – ein Trend, der gerade in Corona-Zeiten auch bei vielen Herzpatienten gut ankommt. Schließlich haben sie neben Älteren und Menschen mit Lungenerkrankungen ein hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe.

Zuverlässig, aber verbesserungswürdig

Doch nicht nur zum Schutz davor kann die Digitalisierung helfen, sondern auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Retter in der Not werden. Smartphone-Apps sind dafür geradezu prädestiniert – wie etwa solche zur Detektion von Vorhofflimmern, einem Risikofaktor für Schlaganfälle. Davon gibt es inzwischen einige. Ziel ist es, mithilfe der handyeigenen Kamera Unregelmäßigkeiten des Finger-Pulsschlags zu messen. Unklar war bislang jedoch, wie genau diese Apps arbeiten. Grund, weshalb Forscher in den USA eine Metaanalyse mit zehn Studien durchführten und Daten von knapp 4.000 Personen auswerteten. Ergebnis: Alle in den Studien angewandten Apps scheinen sehr verlässlich zu sein, wenn das Gerät kein Vorhofflimmern erkennt. Anders jedoch im umgekehrten Fall: Hier waren die Daten für den positiven Vorhersagewert nicht zufriedenstellend, weshalb die Forscher davon ausgehen, dass die Apps mit sehr wahrscheinlich viele „falsch-positive“ Ergebnissen ermitteln. Um die positiven Detektionsraten zu verbessern und damit einhergehende Irritationen zu vermeiden, muss also noch weiter getestet werden. Das Gute im Sinne der Schlaganfallprävention: Schlägt die App an, führt sie Betroffene im Zweifel zu weiteren kardiologischen Tests, was mit Blick auf die Herzgesundheit positiv zu
bewerten ist.

Quellen:
medizin & technik "Smartwatch und EKG-App: Wichtige Daten für die Kardiologie"
Deutsches Ärzteblatt "Telemedizin in der Kardiologie: Was bringt die Telekardiologie für Patient und Arzt?"

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