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Plötzlicher Herztod beim Sport

Sportliche Topleistung mit Defibrillator

Von Dr. Regina Linnertz · 2022

Prof. Dr. Johannes Dahm ist Sportkardiologe am Herz- & Gefäßzentrum und HerzSport-Institut Göttingen

In den Medien wird immer wieder über den plötzlichen Herztod bei Spitzensportlern berichtet. Ein Herzstillstand scheint bei jungen, leistungsfähigen Menschen oft ohne Vorwarnung zu kommen. Die Betroffenen leiden aber häufig an einer Herzerkrankung, ohne dies zu wissen. Ein implantierbarer Defibrillator kann Menschen mit einem hohen Risiko vor dem plötzlichen Herztod schützen.

Herr Professor Dahm, kann der plötzliche Herztod wirklich jeden treffen?

Der plötzliche Herztod wird bei Menschen unter 35 Jahren in den allermeisten Fällen durch eine angeborene Herzerkrankung, eine Kardiomyopathie, hervorgerufen. Bei den Betroffenen sind Struktur und Funktionalität des Herzmuskels verändert. Bei Menschen über 35 Jahren ist hingegen häufig ein Herzinfarkt oder eine koronare Herzkrankheit, sprich eine Verkalkung der Herzkranzgefäße, Ursache für einen plötzlichen Herztod. In beiden Fällen kann es zu einer Störung des Herzrhythmus kommen, das Herz kann die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen, und die betroffene Person wird ohnmächtig. Durch einen elektrischen Schock, Defibrillation genannt, kann der normale Herzrhythmus wieder hergestellt werden. Andernfalls tritt innerhalb von Minuten der plötzliche Herztod ein. Unter starker körperlicher Belastung erhöht sich bei herzkranken Menschen die Wahrscheinlichkeit für eine Rhythmusstörung. Spitzensport Treibende sind deshalb häufiger betroffen, aber auch Freizeitsport Treibende und Menschen in einem körperlich fordernden Beruf oder mit anstrengenden Belastungen im Alltag sind gefährdet.

Wie kann der plötzliche Herztod von Teilnehmenden im Bereich Spitzensport verhindert werden?

Hier gibt es regelmäßige sportmedizinische Untersuchungen. Eine Kardiomyopathie kann so bei vielen Sportlern durch ein auffälliges Ereignis im EKG aufgedeckt werden. Um einen gefährlichen zu schnellen Herzrhythmus – das sogenannte Kammerflimmern – zu vermeiden, können Medikamente zum Einsatz kommen. Bei manchen Betroffenen kann auch eine Verödung des betroffenen Herzgewebes zum Erfolg führen. Da Spitzensport Treibende aufgrund ihrer maximalen sportlichen Belastung besonders gefährdet sind, ist ein implantierbarer Defibrillator oft die einzige Möglichkeit, um ein erneutes, lebensbedrohliches Kammerflimmern zu verhindern und die sonst medizinisch infrage gestellte sportliche Karriere weiterzuführen.

Der EMBLEM™ S-ICD wird neben dem linken Brustkorb implantiert. © Boston Scientific

Wie funktioniert ein implantierter Defibrillator?

Ein sogenannter Kardioverter-Defibrillator ist ein elektronisches Gerät, welches in den Körper implantiert wird und den Herzrhythmus kontinuierlich überwacht. Erkennt das Gerät einen zu schnellen Herzrhythmus, gibt es automatisch einen elektrischen Schock ab. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten von Defibrillatoren: Beim transvenösen Defibrillator, kurz TV-ICD, werden Elektroden über die Venen direkt ins Herz eingebracht. Beim subkutanen Defibrillator, kurz S-ICD, hingegen wird die Elektrode subkutan – also unter der Haut – implantiert. Das Herz bleibt unberührt. Bei der Implantation eines solchen subkutan platzierten Defibrillators muss der Abstand zwischen der Elektrode und dem Gerät so gewählt werden, dass die Signalübertragung einwandfrei funktioniert. Der optimale Implantationsort des Gerätes befindet sich direkt unter dem Latissimusmuskel.

Worin besteht der Fortschritt des S-ICD gegenüber einem herkömmlichen transvenösen Defibrillator?

Beim transvenösen Defibrillator werden die Elektroden direkt im Herz verankert, was zur Folge hat, dass sie im Laufe der Zeit mit dem Herz verwachsen. Durch die direkte Lage im Herz kann es bei sportlichen Aktivitäten zu einer mechanischen Schädigung der Elektrode kommen. Außerdem besteht die Gefahr von Isolationsbrüchen, oder die Elektroden können verrutschen. Ich rate meinen Patientinnen und Patienten und insbesondere Sportlern oder generell körperlich aktiven Menschen daher gern zu einem S-ICD. Zudem besteht beim S-ICD eine geringere Infektionsgefahr im Vergleich zum transvenösen Defibrillator. Der subkutane Defibrillator besitzt allerdings keine Schrittmacher- oder Überstimulationsfunktion und kann daher nur bei Herzkranken implantiert werden, deren Herz keine Stimulationstherapie benötigt.

Was raten Sie Freizeitsportlern und der Normalbevölkerung mit einem erhöhten Risiko für ein lebensbedrohliches Kammerflimmern? Ist bei dieser Gruppe die Implantation eines Defibrillators sinnvoll?

Bei Patienten, die bereits ein Rhythmusereignis überlebt haben beziehungsweise bei denen ein erhöhtes Risiko auf lebensbedrohliche Rhythmusstörungen besteht, sollte ein Defibrillator eingebaut werden. Da Bewegungsmangel und kein Sport sich lebensverkürzend auswirken, wäre ein Sportverbot zur Vermeidung einer Rhythmusstörung zudem auch kontraproduktiv. Ich rate deshalb allen meinen Patienten zu einem möglichst aktiven Lebensstil. Und wenn hierfür die Voraussetzungen vorliegen, rate ich bei sportlich aktiven Patienten vorzugsweise zur Implantation eines subkutanen Defibrillators.

Sind denn mit einem subkutanen Defibrillator alle Sportarten möglich?

Die allermeisten Sportarten sind weiterhin problemlos möglich und für die Herzgesundheit auch sehr sinnvoll, lediglich Kampfsportarten würde ich ausschließen beziehungsweise Kontaktsportarten können problematisch sein. Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche Sportlerin mit einem S-ICD ist die Stabhochspringerin Katharina Bauer. Ich selbst betreue einen 17-jährigen Basketballspieler mit erblicher Kardiomyopathie, bei dem außerhalb des Sports Ohnmachten bei lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen aufgetreten sind. Dieser Spieler ist dank der Implantation eines S-ICD sogar wieder voll einsatzfähig und kann weiterhin Leistungssport betreiben.

S-ICD

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S-ICD

Der subkutan implantierbare Kardioverter-Defibrillator (S-ICD) kann Leben retten. Das elektronische Gerät, das in den Körper implantiert wird, überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus. Erkennt es einen bedrohlich schnellen Herzrhythmus, gibt es einen Schock ab und vermeidet so einen plötzlichen Herzstillstand. Anders als bei anderen implantierbaren Defibrillatoren sitzt die Elektrode des S-ICDs, über die der elektrische Schock abgegeben wird, direkt unter der Haut und wird nicht ins Herz eingebracht. Das Herz bleibt unberührt.

Kontakt

Boston Scientific Medizintechnik GmbH
Klaus-Bungert-Strasse 8
40468 Düsseldorf
Web: https://www.bostonscientific.com/en-EU/home.html

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