Vorhofflimmern

„Pumpe“ außer Takt

Von Nadine Effert · 2016

Sind wir verliebt, schlägt das Herz schneller. Sind wir entspannt, fährt das Herz runter. Das ist völlig normal. Passt der Takt oder die Stärke des Herzschlags nicht zur Situation, macht uns das schnell Angst. In der Tat können dahinter krankhafte Herzrhythmusstörungen stecken. Ihnen kann heutzutage ein kleiner mobiler Rekorder schnell auf die Schliche kommen.

Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten Herzkrankheiten. Das Problem: Sie sind mit konventionellen Methoden wie Ruhe- oder Langzeit-EKG oft nur schwer zu diagnostizieren, sodass die Erkrankung sehr spät oder gar nicht erkannt wird. Hinzu kommt, dass viele Menschen ein kurzfristig auftauchendes Herzstolpern oder Herzrasen nicht ernst nehmen. Das kann verheerende Folgen haben. Nehmen wir das Beispiel Vorhofflimmern, unter dem rund ein Prozent der deutschen Bevölkerung, hauptsächlich zwischen 65 und 75 Jahren, leidet. Das Zittern der Herzvorhöfe ist eine der häufigsten Rhythmusstörungen. Und das kann gefährlich werden: Etwa jeder fünfte Schlaganfall geht auf das Konto von Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern früher erkennen

Auf dem diesjährigen Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Rom wurde eine Studie des Universitären Herzzentrum Hamburg präsentiert, die den gezielten Einsatz von mobilen EKG-Rekordern zur besseren Diagnostik von unklaren Herzbeschwerden unter die Lupe genommen hat. Zwischen 2009 und 2014 wurden insgesamt 790 Patienten mit wiederkehrenden Rhythmusstörungen für zwei bis vier Wochen mit einem Tele- EKG ausgestattet. Die kleinen Geräte werden bei einem Anfall vom Patienten auf den Brustkorb gelegt und zeichnen ein EKG auf. Insgesamt kamen so 11.775 Aufzeichnungen zustande, die hinsichtlich der Symptome von medizinisch geschultem Personal über eine 24-Stunden-Hotline erfasst wurden. Bei 73 Prozent der Patienten konnte eine Herzrhythmusstörung nachgewiesen werden, bei 14 Prozent ein Vorhofflimmern. Bei Patienten mit dokumentiertem Vorhofflimmern handelte es sich bei 40 Prozent um eine Erstdiagnose, bei 56 Prozent trat das Flimmern wiederholt auf.

Schnelle Hilfe dank Tele-EKG

Auf Basis der Auswertungen konnten für den einzelnen Patienten sinnvolle Therapiemaßnahmen wie Ablation oder Anpassung der Medikation umgehend eingeleitet werden. „Unsere Daten zeigen, dass der gezielte Einsatz eines Event-Recorder-Monitorings eine sinnvolle und nützliche Ergänzung in der Diagnostik unklarer Herzbeschwerden darstellt, da sich die Zeit bis zur Diagnosestellung verkürzt und eine zügige Therapieentscheidung möglich wird“, so Studienautorin PD Dr. Monica Patten. „Außerdem kann bei Patienten mit Beschwerden und Nachweis eines unauffälligen Tele-EKGs so ohne großen Aufwand eine rhythmogene Ursache ausgeschlossen werden.“ Letztlich nimmt das kleine Gerät Patienten aber auch die Angst und erleichtert ihnen das Leben mit einem Herzen außer Takt.

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