Herzinsuffizienz

Hilfe aus dem Mutterkuchen?

Von Nadine Effert · 2017

Ein Mediziner nimmt ein Röhrchen mit Stammzellen aus einem Behälter

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer chronischen Herzschwäche, die der Mediziner Herzinsuffizienz nennt. Mögliche Folgen: Schädigungen und Funktionsverlust von Organen oder auch plötzlicher Herztod. Wie Stammzellen das in Zukunft verhindern und Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen sollen, haben jüngst Forscher aus Chile der Öffentlichkeit präsentiert.

Der portugiesische Sänger und ESC-Gewinner Salvador Sobral wartet auf ein Spenderherz – mit gerade einmal 27 Jahren. Ein bereits implantierter Herzschrittmacher käme gegen die Herzinsuffizienz nicht mehr an, heißt es. Der Fall zeigt: Die Krankheit ist eine unterschätzte Gefahr. Zum einen können auch junge Menschen betroffen sein – wobei mehr als 60 Prozent der Patienten über 65 Jahre alt sind. Zum anderen werden Symptome wie Atemnot oder schnelle Erschöpfung oftmals nicht ernst genommen, unter Stresssymptomen verbucht oder dem Alter zugeschrieben. Die verminderte Pumpleistung des Herzmuskels bleibt folglich über lange Zeit unbemerkt. Verheerend, denn ohne sie gelangt nicht genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper und somit bleiben wichtige Organe unterversorgt.

Medikamente helfen nicht immer

Die chronische Herzinsuffizienz ist der häufigste Grund für Klinikeinweisungen und eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Und: Forscher rechnen damit, dass sich bis 2040 die Zahl der Betroffenen verdoppeln wird. Vorrangig, weil die Bevölkerung immer älter wird. Prävention spielt eine sehr wichtige Rolle. Ebenso neue Therapien zur Behandlung der Herzinsuffizienz. Der Grund: „Nicht immer lässt sich eine Herzinsuffizienz mit medikamenten-basierten Standardtherapien kontrollieren, und Patienten müssen sich invasiven Methoden wie etwa dem Einsatz elektronischer Implantate oder einer Herztransplantation unterziehen, um ein Herzversagen zu vermeiden“, bemerkt Professor Jorge Bartolucci von der Universidad de los Andes. 

Mehr Leistung durch Stammzellen

Dort, in Santiago de Chile, hat ein Forscherteam den Einsatz von Stammzellen zur Verbesserung der Herzleistung an 30 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren mit einer Pumpleistung unter 40 Prozent getestet. Der Ansatz ist nicht neu. Allerdings verwendeten die südamerikanischen Forscher keine Stammzellen aus Knochenmark, sondern jene aus Plazentas, die bei jeder Geburt anfallen. Die Vorteile: Die Ausbeute an sogenannten mesenchymalen Stammzellen ist ergiebiger und es bedarf keine Spender. Das vielversprechende Ergebnis der Studie: eine leichte, aber signifikante Verbesserung der Herzleistung. Zudem wurde die einmalige intravenöse Infusion der Plazenta-Stammzellen von den Patienten gut vertragen. Nun braucht es weitere, größere Studien auf diesem Forschungsgebiet. Auch, damit es in Zukunft Patienten wie Sobral erspart bleibt, um ihr Leben bangen zu müssen.

Wussten Sie schon, dass ...

...während leichte Stenosen oder Insuffizienzen lediglich regelmäßig beobachtet werden müssen, fortgeschrittene Formen nur operativ in den Griff zu bekommen sind? Die kathetergestützte Aortenklappenimplantation, kurz TAVI, ist die Operationsmethode, die immer häufiger eingesetzt wird. Unter TAVI versteht man Eingriffe, die per Katheter – zumeist durch die Leiste oder alternativ über einen kleinen chirurgischen Schnitt an der Herzspitze – durchgeführt werden. Seit der ersten Implantation im Jahr 2002 durch Alain Cribier in Lyon konnten auf diese Weise weltweit über 220.000 Patienten erfolgreich behandelt werden. Neuesten Studien zufolge erhöhte sich mit bestimmten aktuellen Klappentypen die Ein-Jahres-Überlebensrate von 76 auf über 90 Prozent.

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