Digitalisierung

Hightech für mehr Lebensqualität

Von Nadine Effert und Tobias Lemser · 2016

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hierzulande nach wie vor die häufigste Todesursache. Das Gute dennoch: Viele Patienten werden mit ihrer Herzschwäche immer älter. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in der kardiologischen Versorgung, sondern auch in der Gefäßmedizin, die vielerorts auf einem ausgezeichneten Niveau ist.

Es ist eines der faszinierendsten Erlebnisse werdender Eltern überhaupt, wenn sie das erste Mal im Ultraschall das schlagende Herz ihres Kindes sehen. Kaum vorstellbar, dass genau dieses winzige Herz fortan unermüdlich in dem kleinen Sprössling schlagen wird – und zwar ein Leben lang. Rund drei Milliarden Mal schlägt das Herz im Laufe eines durchschnittlichen Lebens. Dabei pumpt es nicht nur sauerstoffreiches Blut von der Lunge in den Körper und sauerstoffarmes Blut vom Körper zur Auffrischung in die Lunge. Auch versorgt es unsere Organe über das haarfein verästelte Gefäßsystem mit lebensnotwendigen Nährstoffen – Vorgänge, die vom Herzen bis in die entlegenste Kapillare automatisch ablaufen und über die wir uns keine weiteren Gedanken machen. Wie elementar unser Antriebsmotor und unsere Blutgefäße sind, wird uns oftmals erst dann klar, wenn sie an Leistungskraft verlieren. Keine Frage, dass Probleme genau dann schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen können. Rechtzeitig erkannt sind wir heute allerdings in der glücklichen Lage, uns auf eine hochmoderne Herzmedizin verlassen zu können, die auch dank modernster Vernetzung und Digitalisierung in den Kliniken auf beinahe jede Erkrankung – seien es Herzinsuffizienz oder Zirkulationsstörungen in den kleinsten Blutbahnen – eine Antwort weiß.

Rückgang der Sterbeziffer

Verstarben nach Angaben des jüngsten Deutschen Herzberichts im Jahr 1990 deutschlandweit noch 325 Einwohner pro 100.000 an den häufigsten Herzkrankheiten, ging die Sterbeziffer bis zum Jahr 2013 um 17 Prozent auf 269 zurück. Besonders positiv zu bewerten, ist die Entwicklung beim akuten Herzinfarkt. Hier verringerte sich die Zahl der Verstorbenen im gleichen Zeitraum sogar um rund 40 Prozent. Gegenläufig ist der Trend bei Herzrhythmusstörungen und Herzklappenkrankheiten, die von 17 auf 32 beziehungsweise von acht auf knapp 20 Einwohner pro 100.000 anstiegen – Entwicklungen, die auch auf die Fortschritte in der modernen Herzmedizin zurückzuführen sind. Denn Patienten, die einen akuten Herzinfarkt überleben, erkranken später zumeist an anderen Herzkrankheiten. Auch ist diese Tendenz der zunehmenden Lebenserwartung geschuldet. Erhöht sie sich, steigt mit zunehmendem Alter überproportional das Risiko für Herzrhythmus- oder Herzklappenerkrankungen.

Neuestes aus der Herzklappenchirurgie

Doch egal, ob für Patienten mittleren oder hohen Alters: Gerade in der Therapie von Herzklappenerkrankungen sind die Fortschritte unverkennbar. So wird beispielsweise der Katheter-gestützte perkutane Aortenklappenersatz, kurz TAVI, inzwischen nicht mehr nur bei Risikopatienten, sondern aufgrund zunehmender Erfahrung und exzellenter Studienergebnisse auch bei Patienten mit mittlerem Risiko durchgeführt. Neben verengten Aortenklappen können darüber hinaus undichte Mitralklappen und seit neuestem sogar defekte Trikuspidalklappen mittels Katheter therapiert werden. Bisher waren solche Eingriffe ausschließlich unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine möglich.

Freie Fahrt durch die Blutgefäße

Überhaupt setzen sich Kathetereingriffe in der Herz- und Gefäßmedizin zunehmend durch. So auch bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz PAVK – einer Gefäßerkrankung, bei der sich Plaques an der Gefäßwand ablagern und den Blutfluss behindern. Das Besondere: Bei dem Eingriff wird ein Ballonkatheter durch die Verengung geschoben und so stark aufgeblasen, dass die Kalkablagerungen an die Gefäßwand gedrängt werden. Zusätzlich implantieren Herzspezialisten an dieser Stelle einen Stent ein, um das Gefäß nachhaltig offenzuhalten. Trotz sehr guter Erfolge heute eingesetzter Metallstents wird das Ziel künftiger Eingriffe darin liegen, keine Materialien mehr in den Gefäßen zurückzulassen. Genau deshalb könnte die Zukunft in bioresorbierbaren Stents liegen, da sie imstande sind, sich innerhalb einer bestimmten Zeit in den Gefäßen vollständig aufzulösen. Fakt ist: Ob neueste Herzklappen oder Ballonkatheter – die Herz- und Gefäßmedizin konnte zuletzt Quantensprünge machen. Auch wenn wir von einem langfristig funktionsfähigen und sicheren Kunstherz noch weit entfernt sind, muss uns um unser Herz- und Gefäßsystem nicht bange sein. Blind auf die Künste der vielerorts hochmodernen kardiologischen und angiologischen Einrichtungen vertrauen sollten wir dennoch nicht und uns stattdessen viel bewegen, gesund ernähren und auf Nikotin verzichten. Nur so kann das Herz von der Entstehung im Mutterleib bis ins hohe Alter ein Leben lang kraftvoll schlagen und über die Blutbahn wertvolle Nährstoffe durch den Körper pumpen.

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2015
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