Koronare Herzkrankheit

Ein Gerüst, das Leben rettet

Von Tobias Lemser · 2017

Ablagerungen an den Innenwänden der Herzkranzgefäße gehören zu den größten Risiken für einen Herzinfarkt. Um diese Gefahr zu bannen und dem Blut wieder ungehinderten Fluss zu gewähren, setzen Kardiologen immer häufiger auf Stents. Doch haben diese kleinen Metallröhrchen nur Vorteile? Und wie steht’s um Bio-Stents?

Unser Herz ist ein wahres Kraftwerk: Mehr als 100.000 Mal schlägt es Tag für Tag und pumpt rund sieben Tonnen Blut durch den Körperkreislauf. Damit unser Antriebsmotor reibungslos arbeiten kann, ist eine gute Durchblutung der Herzkranzgefäße besonders wichtig. Verkalken die filigranen Gefäße sukzessive und setzen sich sogenannte Plaques an der Gefäßwand fest, verliert das Herz an Leistungskraft. Kardiologen sprechen dann von der koronaren Herzkrankheit. Im Jahr 2015 wurden hierzulande mehr als 650.000 Patienten mit diesem Krankheitsbild stationär behandelt.

Keine Chance für Plaques

Ist die Gefäßverengung bereits fortgeschritten und erzielen Medikamente nicht mehr die gewünschte Wirkung, hilft oftmals nur ein Stent. Über einen kleinen Einschnitt an der Leiste wird mithilfe eines Herzkatheters ein winziger Ballon bis zur Blockade geschoben und aufgeblasen – mit dem Ziel, die Plaques an die Arterienwand zu drücken. Anschließend bringt der Kardiologe den Stent an die erweiterte Stelle und dehnt ihn mithilfe des Ballons so auf, dass sich die Arterie zu einem späten Zeitpunkt nicht wieder verschließt. Im Jahr 2015 wurden mehr als 333.000 solcher lebensrettender Gefäßstützen implantiert. Darunter auch medikamentenbeschichtete Gefäßstützen, die eine unerwünschte Zellvermehrung an der Gefäßwand verhindern. Sonst kann es postwendend zu Wiederverengungen kommen – einer der größten Nachteile von Stents. Denn bei zehn bis 20 Prozent der behandelten Gefäßabschnitte kann in den ersten drei bis sechs Monaten eine Restenose entstehen. Ganz abgesehen davon, dass die künstlichen Drahtgeflechte für immer als Fremdkörper zurückbleiben. 

Die gute Nachricht: Nicht bei jedem Patienten ist das Einsetzen eines Stents notwendig. Inzwischen gibt es als Pendant zur beschichteten Gefäßstütze auch Ballonkatheter, die einen Wirkstoff direkt in die Herzkranzgefäßwand absetzen. 

Bio-Stents auf dem Prüfstand

Galten noch vor Kurzem Bio-Stents, die sich nach einiger Zeit von selbst auflösen, als das Allheilmittel in der Behandlung von Arteriosklerose, wurden laut Deutschem Herzbericht von 2016 die Erwartungen der Experten durch mehrere Studien gedämpft. Das ursprüngliche Ziel sollte darin liegen, den geschädigten Blutbahnen ein „positives Remodelling“ zu geben, um zur alten Leistungsfähigkeit zurückzufinden. Allerdings hat sich bei einem im Vorjahr präsentierten Dreijahres-Vergleich diese Hoffnung nicht erfüllt. Weder die motorische Funktion der Gefäße hatte sich im Vergleich zu traditionellen Implantaten verbessert, noch waren diese selbstauflösenden Stents frei von Komplikationen.

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