Stents

Der Kardiologe als Feinmechaniker der Herzen

Von Sarah Schroth · 2016

Bei einem Herzinfarkt, der Todesursache Nummer eins in Deutschland, verstopft ein Gefäß, das Blut zum Herzen transportiert. Es handelt sich dabei um einen akuten Notfall. Zur Reparatur des Gefäßes benutzt der Herzchirurg ein winziges Werkzeug, den sogenannten Stent. Die metallische Gefäßstütze soll sich in Zukunft – nach getaner Arbeit – von selbst auflösen.

Es war eine der medizinischen Revolutionen in den 70er-Jahren: die Erfindung des Stents. Aktuell werden in Deutschland mehr als 350.000 Herzgefäßstützen pro Jahr implantiert. Und so funktioniert das Verfahren: Herzspezialisten nutzen heutzutage lediglich einen kleinen Venenzugang im Arm oder in der Leiste, um durch das Blutsystem zum verengten Herzkranzgefäß zu gelangen. Dort wird ein kleiner Ballon aufgeblasen, um die verschlossene Stelle zu weiten. Als zweiter Schritt wird der Stent eingeführt. Er hält das erkrankte Gefäß offen. So weit, so erfreulich für Herzinfarkt-Patienten. Doch die Behandlung mit herkömmlichen Stents hat auch ihre Tücken.

Bessere Stents für weniger Komplikationen

Ein häufiges Problem ist die Restenose, also die erneute Verstopfung des metallischen Röhrchens durch eine Art von Narbengewebe. Eine Lösung dieser Komplikation fand sich mit der Erfindung des beschichteten Stents. Auf dessen Oberfläche werden Medikamente aufgedampft, welche die Bildung von Narbengewebe und folglich Restenose verhindern sollen. Aber es gibt noch andere Risiken: Da das Fremdmaterial im Gefäß den Fluss des Blutes stört, kann es zur Bildung von Blutgerinnseln, sogenannten Thrombosen, kommen. Um dem entgegenzuwirken, müssen Stent-Patienten blutverdünnende Medikamente einnehmen, welche als Nebenwirkung unter anderem das Blutungsrisiko erhöhen. Um dieses Problem zu umgehen, haben sich die Herztüftler in den letzten Jahren eine weitere Genialität einfallen lassen.

Stents, die sich in Luft auflösen

Neuester Hoffnungsträger sind bioresorbierbare Stents. Sie werden entweder aus Kunststoffen (Milchsäure-Polymere) oder aus Metall (Magnesium) gefertigt und können ebenfalls mit Medikamenten beschichtet werden. Nachdem das Gefäß seine ursprüngliche Form angenommen und das Gewebe sich langsam wieder festigt und erholt hat, löst der Stent sich einfach von selbst auf. Die bioresorbierbaren Stents sind nun bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Rahmen klinischer Studien an Patienten im Einsatz. Da sie kein Fremdmaterial im Körper hinterlassen, kann womöglich das Risiko einer Restenose durch Narben- und Thrombusbildung verringert sowie auf die Einnahme blutverdünnender Medikamente bei ausgewählten Patienten verzichtet werden.

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